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Hühnerhaltung in der Stadt | Hier spricht die Expertin

Hühnerhaltung in der Stadt | Hier spricht die Expertin

Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, in einer urbanen Umgebung Hühner zu halten? Als Gründerin von „Hen Corner“ und ausgestattet mit dem Erfahrungsschatz Ihrer Familie, die traditionell schon seit dem 1. Weltkrieg (!) Haushühner in London hält, weiß Sara Ward mindestens so viel über die Hühnerhaltung in der Stadt wie professionelle Hühnerzüchter. Wir haben sie ein bisschen zum Thema ausgefragt und sie erklärt euch hier, was ihr euch für eine eigene Hühnerfarm zulegen solltet:

1. Wie viel Platz brauchen Hühner in der Regel?

Die brauchen überhaupt nicht viel Platz. Wir halten unsere Hühner in einem Stall von Omlet – dort haben sie auf einer minimalen Grundfläche – ca. 1 x 2 Meter – alles, was sie an Platz brauchen. Ein Stall dieser Art bietet Raum für bis zu vier normal große Hühner, deshalb kann man Hühner auch in kleinen Hinterhofgärten, auf Dachterrassen oder sogar auf dem Balkon halten.

2. Können die Hühner den ganzen Tag lang im Stall bleiben, oder müssen sie auch mal raus? 

Wir geben unseren Tieren auf jeden Fall die Möglichkeit, im Garten frei herumzulaufen, aber raus müssen sie eigentlich nicht – im Prinzip kann man sie auch die ganze Zeit im Stall lassen, wenn einem der Platz fehlt, sie draußen herumlaufen zu lassen. Falls sie im Stall bleiben müssen, sollte man ihnen aber schon so viel Raum geben, dass sie ihre Beine ordentlich strecken können. 

3. Können Hühner so auf stubenrein trainiert werden, dass man sie auch mal zum Knuddeln mit auf die Couch nehmen kann? 

Es gibt schon Leute, die ihre Hühner mit ins Haus nehmen, aber ich habe ehrlich gesagt noch nie von Hühnern gehört, die tatsächlich komplett stubenrein sind. Wir müssen regelmäßig mit dem Wischmopp ran, wenn unsere Hühner mal wieder in den Wintergarten gemacht haben – ich wäre also vorsichtig!

4. Wie oft muss man den Hühnerstall ausmisten? 

Den Stall sollte man etwa ein Mal pro Woche ausmisten, aber das ist ganz simpel: Einfach den Trog in eine Tüte kippen und fertig. Das lässt sich gut mit der Reinigung eines Katzenklos vergleichen. Im Anschluss wirft man das Ganze am besten auf den Kompost. Wenn man allerdings keinen Garten hat, ist es wahrscheinlich am einfachsten, wenn die Tüte in den Müll wandert. In dem Fall ist es auch sinnvoller, nur wenige Hühner zu haben, damit man sich nicht mit ganz so viel Hühnerkacke herumschlagen muss!

5. Gibt es irgendwelche Geräte, die die Hühnerhaltung leichter machen?

Heutzutage gibt es da natürlich eine Menge technologischer Finessen – Lampen für die langen, dunklen Wintermonate, automatische Stalltüren, Stall-interne Kameras, über die man die Hühner beobachten kann –, aber ich finde, das ist alles überflüssiges Zeug. Viel wichtiger ist da meiner Meinung nach traditionelles Wissen, mit dem die Menschen schon seit Jahrtausenden Hühner halten. Einen sehr wichtigen Fortschritt gibt es allerdings: das “Fuchs-sichere” Hühnergehege.

Wenn man im Garten Hühner hält, ist es extrem wichtig, ein “Fuchs-sicheres” Gehege zu haben. Dieses zeichnet sich durch eine Stahlschneide aus, die rechtwinklig zur Wand absteht und flach auf dem Boden aufliegt. Durch die Wand kann der Fuchs nicht ins Gehege eindringen, doch unter den Zaun graben kann er sich dank der L-förmigen Schneide auch nicht. Das macht schon einen großen Unterschied, wenn man seine Hühner vor “Stadtfüchsen” schützen will. 

6. Was muss man abgesehen von den Füchsen noch beachten?

Meine Faustregel lautet: Wenn ich sicherstellen will, dass meine Hühner gesund und glücklich sind, muss ich auch darauf achten, dass sie gesund und glücklich wirken! Eigentlich haben sie ja ziemlich einfache Bedürfnisse – regelmäßiges Füttern, sauberes Wasser und regelmäßiges Ausmisten.

Je nachdem, woher die Hühner ursprünglich stammen, sind sie gegen Krankheiten wie Salmonellen geimpft – oder eben nicht. Im Hinterhof gehaltene Hühner sind übrigens einem wesentlich geringeren Krankheitsrisiko ausgesetzt als ihre geschäftsmäßig aufgezogenen Artgenossen – ich würde mir also keine größeren Gedanken darüber machen, ob sind nun geimpft sind oder nicht.

Eine Sache, vor der man sich allerdings in Acht nehmen muss, ist die Vogelgrippe. Diese Krankheit können die Hinterhofhühner von wilden Vögeln bekommen, deren Kot beim Vorbeifliegen ins Gehege fällt. Zur Vogelgrippe-Hochsaison ist es daher am besten, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, indem man die Hühner im Gehege lässt und dieses mit wasserdichter Plane abdeckt. In den letzten Jahren war die Vogelgrippe zwar kaum verbreitet, aber wenn ihr euch als Hühnerhalter bei DEFRA registriert, werdet ihr darüber informiert, sobald sie wieder ausbricht.

7. Wo kann (oder sollte!) man Hühner kaufen?

Zunächst einmal ist es wesentlich besser, Hühner zu kaufen als Küken auszubrüten. Küken sind zwar süß, machen aber auch eine Menge Arbeit und sind natürlich auch zum Teil männlich. Und da Junghähne laut und aggressiv sind, ist es eher asozial, sie in einer urbanen Umgebung zu halten. Viel besser ist es da, erwachsene Hühner von Profi- oder Hobbyzüchtern zu kaufen.

Eine andere, wirklich phantastische Möglichkeit zur Beschaffung von Hühnern besteht darin, ehemaligen Batteriehühnern ein neues Zuhause zu geben – aber nur, wenn es auch wirklich ein gutes Zuhause ist. In diesem Zusammenhang muss man bedenken, dass man Batteriehühner nicht in eine schon etablierte Gruppe integrieren kann, da sie sehr empfindlich sind und komplexere Bedürfnisse haben als die anderen Hühner. Abgesehen davon wird in der Regel erwartet, dass man dem Betrieb 4 – 6 Hühner abnimmt statt nur eines oder zwei, weil es eben so viele Batteriehühner gibt, die gerettet werden wollen. 

8. Gibt es Gruppen, die frischen Hühnerhaltern Rat und Unterstützung anbieten?

Auf Facebook gibt es eine Menge aktiver und wirklich hilfreicher Geflügel-Gruppen. Es gibt aber auch andere Plattformen wie das Omlet Community Forum, das mit Rat und Tat zur Seite steht und eine tolle Anlaufstelle für Fragen aller Art bietet.

9. Wie sieht es denn mit der sozialen Dynamik aus – was muss da beachtet werden?

Da Hühner Herdentiere sind, sind sie zwar gerne zusammen, brauchen aber auch Ordnung. Diese wird durch die sogenannte Hackordnung hergestellt: Eines der Hühner hat das Sagen und pickt die anderen an, um sie wissen zu lassen, dass sie der Boss ist. In diesem Zusammenhang muss man eigentlich nur darauf achten, dass das Spiel nicht zu aggressiv wird, da die Hühner einander sonst verletzen können. Das passiert oft, wenn man neue Hühner in die Gruppe bringt, die ihren Platz in der Hackordnung noch nicht kennen. 

10. Welchen Rat würdest du einem Menschen geben, der zum ersten Mal in der Stadt Hühner halten will? 
Sorgfältig zu planen. Wer gut plant und vorab zum Thema recherchiert, statt eines Tages unüberlegt mit Hühnern nach Hause zu kommen, wird sie lieben. Viel Glück!

Beantwortet das eure Fragen zum Thema Hühnerhaltung in der Stadt? Wir freuen uns über Kommentare!