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Fischzucht | 3 häufig gezüchtete Fischarten

Fischzucht | 3 häufig gezüchtete Fischarten

Was glaubt ihr, wie viel von dem „Seafood“ im Verkaufsregal aus der Zucht stammt? Und wie wird es genau hergestellt?

Die jährliche Zunahme von Fischverzehr ist mittlerweile am jährlichen Fleischkonsum – zusammengenommen – vorbeigezogen. Zwar stagniert die reine Fangwirtschaft seit Mitte der 1980er Jahre, doch die Aquakultur hat die durch die steigende Konsumnachfrage entstandene Lücke mehr als gefüllt. 1 

Hier findet ihr 3 häufig gezüchtete Fischarten, die ihr wahrscheinlich aus dem Laden kennt und erfahrt wie sie dort hingekommen sind.

1. Lachs

Als eine der bekanntesten Fischarten auf dem Markt ist Lachs der Fisch schlechthin auf den Speisekarten dieser Welt. Durch die technologischen Fortschritte der letzten Jahre, selektive Züchtung und durch seinen hohen Marktwert ist die Verfügbarkeit des Fischs mit dem rosafarbenen Fleisch inzwischen an die hohe Konsumentennachfrage angeglichen worden. Da Farmlachs mittlerweile über 70 % des Lachsmarktes ausmacht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr ihn schon mal  gegessen habt, ziemlich groß.2

Wildlachs

Wildlachs wird für gewöhnlich mittels herkömmlicher Angelausrüstung, Kiemennetz oder Ringwadennetz gefangen – je nachdem, um welche Spezies es sich handelt. Bis sie gefangen werden, leben diese Fische komplett in freier Wildbahn. Obwohl die genannten Fangtechniken sowohl den Fischen als auch der Umwelt schaden können, unterliegen die industrielle und auch die hobbymäßige Fischerei in Bezug auf die verwendete Ausrüstung, die Größe des Fischs, die Saison und die zulässige Fangmenge einem strengen Regelwerk. Wer online nach dem in der entsprechenden Region gültigen Regelwerk sucht, findet bei weiteren Fragen schnell die gesuchten Antworten.

Farmlachs

Im Gegensatz zum Wildlachs ist der Farmlachs das Produkt sorgfältig ausgewählter Brutbestände (größere Zuchtfische). Um die besten Eigenschaften in eine Fischkohorte hineinzuzüchten, werden die Zuchtfische anhand jener genetischen Eigenschaften ausgewählt, die an zukünftige Generationen weitergegeben werden sollen. Dabei wird auf Eigenschaften wie Größe, Fettgehalt, Aussehen und Gesundheit des Fisches geachtet. Im Anschluss werden die Eier und die Fischmilch gesammelt und die Schlüpflinge in Aufzuchtbecken auf dem Land gehalten. 

Mithilfe von Aquakultur-Kreislaufsystemen (RACs) in den Becken wird einem verschwenderischen Umgang mit Wasser vorgebeugt und zugleich die sorgfältige Steuerung wichtiger Faktoren wie Wassertemperatur, Sauerstoff- und Salzgehalt vereinfacht. 3 Die jungen Lachse verbringen in diesen Becken zwischen 8 und 16 Monate, bis sie groß genug sind, in Meereskäfige oder „Netzgehege“ gebracht zu werden. 

Dort wachsen die Junglachse noch einmal ca. weitere 18 Monate heran. Erst dann sind sie groß genug(~5kg), um sie mit Korkleinen  oder Wadenetzen einzusammeln. Dann werden die Farmlachse schließlich geangelt und für die kommerzielle Verarbeitung vorbereitet. 4

Wildlachs versus Farmlachs

Zartes Hellrosa:

 In freier Wildbahn fressen Lachse Garnelen und Krill. Da diese von Natur aus die Farbpigmente der Algen, die sie fressen (Astaxanthin und Canthaxanthin), enthalten, erhält das Lachsfleisch eine rötlich-orangene Farbe. Auf der Farm hingegen werden die Lachse mit Pellets gefüttert, die aus einer Mischung aus Fischmehl (für gewöhnlich aus unerwünschten Kleinfischen, Nebenfang und Verschnitt hergestellt), Fischöl und gemüsebasierten Füllmaterial bestehen und die oben erwähnten Algenpigmente daher nicht enthalten. Es gibt mittlerweile Farmen, die mit Insekten basierten Pellets experimentieren, um die Auswirkungen der Zucht auf das Leben im Meer einzuschränken. Da es deren Pellets allerdings auch an Garnelen und Krill mangelt, ist das Fleisch der dort gezüchteten Fische eher grau.

Um diesen Mangel auszugleichen und dem Lachs die gewohnte Farbe zu geben, wird dem Fischfutter oft Astaxanthin hinzugefügt. Doch der Erhalt der Pigmente geht auch mit höheren Omega-3-Werten im Futter einher. Grundsätzlich ernähren sich die Farmlachse Omega-3-ärmer als ihre wilden Artgenossen. Das hat zur Folge, dass das Fleisch der Farmlachse nicht dieselbe kräftige Farbe hat. 5 Mit anderen Worten: Wenn das Fleisch von der Farbe her blasser ist und eher einem marmorierten Rosa ähnelt, habt ihr es möglicherweise mit einem Farmlachs zu tun.

Saison:

Wie Obst und Gemüse, ist Lachsfleisch ein saisonales Produkt. Wenn ein Lachs also außerhalb der für die Spezies charakteristischen Saison angeboten wird, kann man davon ausgehen, dass er von einer Farm stammt. Dabei ist es allerdings wichtig, zu wissen, dass es hier und da immer noch zu illegalen Falschauszeichnungen kommt.

Preis:

Wildlachs kostet in der Regel wesentlich mehr als Farmlachs – vor allem, wenn der Fisch frisch ist. Wenn der Lachs günstig ist, kommt er höchstwahrscheinlich von einer Farm.

ASC versus MSC:

Wenn ihr sichergehen wollt, dass euer Lachs aus einer verantwortungsvollen Fischerei stammt, schaut nach dem Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) für Wildfang oder dem des Aquaculture Stewardship Council (ASC) für Fischzucht Ausschau zu halten. Diese Siegel erhalten nur Betriebe, deren gesamte Geschäftstätigkeit bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllt. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Fischereien ohne MSC- oder ASC-Zertifizierung in der Praxis weniger nachhaltig sind. Vielmehr kann es vorkommen, dass kleinere Betriebe sich die hohen, mit der Zertifizierung einhergehenden Kosten nicht leisten können. Eine gut nachvollziehbare Herkunftsgeschichte kann auch ein guter Indikator dafür sein, aus welcher Art von Betrieb der Fisch stammt. Wenn die Verpackung nichts darüber sagt, wo der Fisch herkommt oder wie er im Laden gelandet ist, solltet ihr euch reiflich überlegen, ob der Fisch wirklich in eurem Warenkorb landen soll.

2. Thunfisch

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung macht gezüchteter Thunfisch weniger als 1 % des weltweiten Thunfisch-Marktes aus.6 Im Prinzip könnt ihr also davon ausgehen, dass der gesamte Thunfisch, den ihr als Sushi oder aus der Konservenbüchse esst, in freier Wildbahn gefangen wurde. Die einzige Thunfischart, die industriell gezüchtet wird, ist der Blauflossen-Thunfisch. Der Gelbflossen-Thunfisch wird dagegen nur auf kleinen experimentellen Farmen gezüchtet. Vor diesem Hintergrund werdet ihr in eurem Supermarkt selten bis nie eine Dose gezüchteten Thunfisch zu Gesicht bekommen. Stattdessen wird dieser Fisch vor allem auf Frischmärkten verkauft oder gefroren an edle Restaurants geliefert.

Wildgefangener Thunfisch

In der freien Wildbahn wird Thunfisch in der Regel mittels Ringwadenschleppnetz oder Angelausrüstung gefangen. Um aber den Thunfischbestand überwachen zu können, unterliegen die zulässige Fangmenge und die genutzte Ausrüstung strengen Regularien. Leider setzt eine förmlich explodierte Nachfrage nach der in Dosen eingeschweißten Variante dieses proteinreichen Snacks zunehmend eine Vielzahl Thunfischspezies unter Druck.

Gezüchteter Thunfisch

Anders als bei Lachs oder auf dem Land lebenden Spezies können wir uns aktuell noch nicht auf von im Becken gezüchteten Thunfischpopulationen verlassen. Angesichts des geringen Erfolgs beim Laichen und der ebenso dürftigen Entwicklung junger Tiere in überwachten Umgebungen gehen viele Thunfischzüchter davon aus, dass „Wasser-Ranching“ die beste Zuchtoption für Thunfisch ist. 

Bei der im offenen Meer verwendeten „Ranching“-Methode werden ganze Schwärme junger Thunfische mithilfe von Schleppnetzen eingefangen und dann durch Unterwassertore in schwimmende Seekäfige gelenkt, wo sie über mehrere Monate oder sogar Jahre heranwachsen, bis sie verkauft werden. 7

Wildgefangener versus gezüchteter Thunfisch

Spezies:

Wenn ihr genau wissen wollt, wo die Spezies auf eurem Teller herkommt, müsst ihr erstmal wissen, mit welcher Spezies ihr es überhaupt zu tun habt. Wenn es sich weder um Blauflossen- noch um Gelbflossen-Thunfisch handelt, stammt er schon mal nicht von einer Farm.

Preis:

Was für die meisten bedrohten Tierarten gilt, gilt auch hier: Wenn ihr absolut nicht ohne euren wildgefangenen Fisch leben könnt, müsst ihr auch bereit sein, tiefer in die Tasche zu greifen. Immerhin kostet ein Wildfang-Thunfisch bis zu dreimal so viel wie die gezüchtete Variante.

3. Pangasius („Basa“)

Schon mal von diesem Fisch gehört? In über 130 Ländern erhältlich, gehört der üblicherweise als „Basa“ oder auch „Pangas“ ausgezeichnete Fisch zu einer Spezies, die die meisten von uns schon mal gegessen haben (auch wenn es beim Namen nicht unbedingt klingelt). 8 Da Basa überwiegend als gefrorenes Filet verkauft wird, steht der aus Indochina stammende Katzenfisch gerade bei nicht so prall gefüllten Geldbeuteln hoch im Kurs.

Wildgefangener Pangasius

Da es für wildgefangenen Pangasius keine Regulierungen gibt, kann man davon ausgehen, dass weltweit praktisch jeder verkaufte Basa von einer Farm stammt.10 Aufgrund der immer lauter werdenden Forderung nach besser reguliertem Pangasius hat der deutlich zunehmende Farming-Umfang zu einer Vielzahl von Fragen bezüglich der Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Konsumenten geführt.

Gezüchteter Pangasius (Basa)

Da der Pangasius nur wenig Luft zum Atmen braucht, relativ schadstoffunempfindlich ist und sich zudem schnell vermehrt, eignet er sich bestens zum Einsatz in der produktiven Aquakultur.9 Außerdem haben Pangasien eine geringe Futterverwertungsratio (FCR), oder einfacher ausgedrückt: Selten bekommt man für so wenig Einsatz so viel Ergebnis!

Wie werden Pangasie gezüchtet?

Der Fischbrut werden oft Hormone verabreicht, die den Laichprozess anstoßen, während die Eier und die Fischmilch (Spermien) in einer separaten Anlage befruchtet werden. Die frisch geschlüpften Fischlarven werden dann vom Brutplatz in eine Aufzuchtstation gebracht und üblicherweise in eigens dafür ausgehobene Teiche gesetzt. Diese befinden sich oft in der Nähe von Flüssen oder anderen Wasserwegen und können auf diese Weise regelmäßig mit frischem Wasser gewälzt werden. In einigen Fällen werden kleinere Fische zum Wachsen in Netzgehege gebracht, die sich in Seitenarmen oder dem Hauptfluss selbst befinden. Dort verbringen die Pangasien weitere 6 bis 8 Monate, bis sie mit ~1kg schließlich groß genug sind, um zur weiteren Verarbeitung gefangen zu werden. 11

Achtung: Die Fischbrut wird in kontrollierten und geschlossenen Systemen gehalten, die verhindern, dass die eingesetzten Hormone in die äußere Umgebung austreten!

Kann man den Fisch wirklich ohne Bedenken essen?

Nach allem, was man so hört: ja! Dank der in den Massenmedien vertretenen Behauptung, der Pangasius sei bedenklich, weil er ohne Probleme in einer verseuchten Umgebung leben könne, haben viele dem Fisch den Rücken zugewandt. Doch wenn man auf toxikologische Beweisführung noch etwas geben kann, dann sagen sämtliche Untersuchungsberichte: Daumen hoch! 12

Wie lautet die „richtige“ Wahl beim Thema Fisch?

Falls ihr so wie ich alles daran setzt, euch für den Fisch zu entscheiden, der die nachhaltigste Option darstellt, dann wisst ihr auch, wie schwer es manchmal sein kann, klar zu erkennen, was was ist. Egal, ob es sich um Fisch aus der Zucht oder wildgefangenen Fisch handelt, ist es auf jeden Fall immer eine gute Idee, beim Kauf auf eventuelle MSC- oder ASC-Siegel zu achten.13,14 Damit wisst ihr zumindest schon mal, ob euer Fisch aus einem nachhaltigen Betrieb kommt. Falls ihr dann immer noch Zweifel habt, kann euch auch ein Blick auf die Speziesauflistung des Monterey Bay Seafood Watch Program helfen, eine qualifizierte Entscheidung zu treffen. 15

 

Hinweise

  1. „The State of World Fisheries and Aquaculture 2018 - Meeting the sustainable development goals“. Food and Agriculture Organization of the United Nations. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  2. „Farmed Salmon“. World Wildlife Fund. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  3. Bregnballe, J (2015). „A Guide to Recirculation Aquaculture“. Food and Agriculture Organization of the United Nations. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  4. „How are farmed Atlantic salmon bred?“. RSPCA Knowledge-base. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  5. „Is paleness in salmon caused by stress and low omega-3 levels?“. Nofima.no. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  6. „Wild Tuna vs Farmed“. Atuna. Abgerufen am 13. Mai 2019
  7. „Southern Bluefin Tuna“. OceanWatch Australia. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  8. „Farmed Pangasius“. World Wildlife Fund. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  9. „Pangasius hypophthalmus“. Food and Agriculture Organization of the United Nations – Fisheries and Aquaculture Department. Abgerufen am 14. Mai 2019.
  10. „Farmed Pangasius“. Monterey Bay Aquarium – Seafood Watch. Abgerufen am 14. Mai 2019.
  11. „Pangasius Farming – An Overview“. The Fish Site. Abgerufen am 15. Mai 2019.
  12. Murk, A.J, Rietjens, I.M.C.M & Bush, A.R (2016). „Perceived versus real toxicological safety of pangasius catfish: a review modifying market perspectives“. Abgerufen am 15. Mai 2019.
  13. „The MSC Fisheries Standard“. Marine Stewardship Council. Abgerufen am 16. Mai 2019.
  14. „Find a product“. Aquaculture Stewardship Council. Abgerufen am 16. Mai 2019.
  15. „Seafood Recommendations“. Monterey Bay Aquarium Seafood Watch. Abgerufen am 16. Mai 2019.