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6 wissenswerte Fakten über kompostierbare Kunststoffe
Mai 10, 2021 Jane Alice Liu Von Jane Alice Liu Meine Artikel

6 wissenswerte Fakten über kompostierbare Kunststoffe

In diesen Tagen scheint kompostierbares Plastikbesteck überall aufzutauchen. Kompostierbare Gabeln, Messer, Löffel und Strohhalme…Es ist - als ob ich im umweltfreundlichen Paradies wäre! ABER…

Was ich nicht wusste, war, dass diese kompostierbaren Biokunststoffe nur in einer industriellen Kompostieranlage abgebaut werden können. Das heißt, dass ich sie nicht einfach in irgendeine Biotonne werfen kann (etwas irreführend, ich weiß).

Hier sind 6 wesentliche Dinge, die du über kompostierbares Plastikbesteck und kompostierbare Strohhalme wissen solltest.

1. Kompostierbares Besteck und Strohhalme aus Biokunststoff wird aus pflanzlichem Kunststoff erzeugt:

Kunststoff wird traditionell aus Petrochemikalien hergestellt (alias: Öl). 1 Kompostierbare Kunststoffe werden dagegen aus Polymilchsäure (PLA) erzeugt, die meistens aus Pflanzen wie Mais und Zuckerrüben gewonnen wird. 2

Im Gegensatz zu petrochemisch basierten Kunststoffen produzieren kompostierbare PLA-Materialien keine toxischen Stoffe.

2. Kompostierbare Kunststoffe kannst du nicht im eigenen Garten kompostieren:

Wenn du dachtest, dass du deine kompostierbare Gabeln oder Strohhalme in deinem eigenen Biomüll entsorgen kannst, denk nochmal nach. Stimmt, sie können als kompostierbar gekennzeichnet werden. DOCH es gibt auf dem Etikett ein unsichtbares Wort: “industriell” kompostierbar.

Außer wenn dein Strohhalm und andere kompostierbare Kunststoffe eindeutig als “heimkompostierbar” gekennzeichnet sind, sind sie nur industriell kompostierbar. Warum? Weil…

3. Kompostierbare Kunststoffe können nur von Mikroorganismen unter sehr hohen Temperaturen abgebaut werden (über 50°C): 3

 

Sie sind zur Kompostierung in industriellen oder kommerziellen Kompostierungsanlagen gestaltet, wo die zum Abbau von Biokunststoffen benötigten hohen Temperaturen erreicht und konstant gehalten werden können. In herkömmlichen heimischen Komposthaufen können hohe Temperaturen nicht dauerhaft erreicht werden. 


Außerdem dürfen sie gar keine giftigen Rückstände hinterlassen, da sie als kompostierbare Kunststoffe gekennzeichnet sind. 4,5 In zentralen Kompostierungsanlagen kann diese Anforderung erfüllt werden. Andernfalls können Mikroorganismen möglicherweise Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben, wenn die kompostierbaren Kunststoffe von ihnen nicht richtig abgebaut werden.6,7

4. Kompostierbar heißt nicht biologisch abbaubar: 8

Diese zwei Begriffe kann man leicht verwechseln. Die größten Unterschiede? Zeit und giftige Rückstände.

PLA zerfällt zu CO2 und Wasser innerhalb von 3 Monaten – wenn dies in einer industriellen Kompostierungsanlage geschieht.9 Kompostierbare Kunststoffe (nach der EU-Norm EN 13432) dürfen nur unter bestimmten Temperatur-, Feuchtigkeits- und Zeitbedingungen als kompostierbar gekennzeichnet werden. Kompostierbare Kunststoffe dürfen keine giftigen Stoffe erzeugen, die Wasser,  Pflanzen, Boden oder andere Lebewesen beeinträchtigen.

Biologisch abbaubare Materialien können auch von Mikroorganismen und Enzymen in natürlichen Umweltbedingungen abgebaut werden, wobei Kunststoff in CO2, Methan, Wasser und Biomasse umgewandelt wird. 10 Im Gegensatz zu kompostierbarem Kunststoff gibt es hier keinen festgelegten Zeitrahmen und keine gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich der giftigen Rückstände. Der vollständige Abbau solcher Materialien kann also jahrelang (möglicherweise sogar Jahrhunderte) dauern. Sowie traditionelle Kunststoffe könnten sie das Austreten giftiger Chemikalien in das umgebende Ökosystem verursachen.

5. Werfe deine kompostierbaren Kunststoffe NICHT in den Mülleimer:

Da dieses Besteck und Strohhalme sehr spezifische Bedingungen zur Kompostierung erfordern, wirf sie nicht einfach in den Mülleimer! Danach werden sie einfach zur Mülldeponie geschickt (wo sie sich häufen und  nicht kompostiert werden). Im Gegensatz zu traditionellen Kunststoffen dünsten sie immerhin keine giftigen Chemikalien in die Umwelt aus.

6. Wirf deinen kompostierbaren Kunststoff NICHT in die Tonne für Kunststoffrecycling:

Das Recycling von kompostierbaren Kunststoffen sorgt für einen hohen Durchsatz, da das Material mehrfach ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden kann. Wenn du aber kompostierbare Kunststoffe in die Tonne für Kunststoffrecycling wirfst,ruinierst du (eigentlich) den gesamten Recyclingprozess. 11

Kompostierbare und traditionelle Kunststoffe unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Dies kann zu weiteren Problemen führen, wenn man versucht, das Kunststoffmaterial für etwas Nützliches wiederzuverwenden. 

Wirf sie stattdessen in eine spezielle Tonne für Bioabfälle. Sie werden dann getrennt gesammelt und zu einer industriellen Kompostierungsanlage gebracht. 12 Erkundige dich bei den örtlichen Behörden nach einer solchen Option in deiner Nähe.

Kompostierbarer Kunststoff stellt einen großartigen ersten Schritt in Richtung Reduzierung der Auswirkungen von Kunststoff auf die Umwelt dar, zumal er die Kontamination mit Giftstoffen verhindern kann. Doch es müssen noch weitere Ziele erreicht und infrastrukturelle Veränderungen vorgenommen werden.

Vergiss nicht, dass es immer andere kompostierbare Stoffe gibt, die du in deinem eigenen Garten wegwerfen kannst (wie Strohhalme aus wachsbeschichtetem Papier). Du kannst auch immer essbare Utensilien verwenden oder dein eigenes Besteck mitbringen und verwenden (wie Strohhalme aus Metall oder Bambus).

Was hältst du von kompostierbaren Plastikbesteck und Strohhalmen? Fallen dir andere Optionen ein? Wir freuen uns über weitere Vorschläge!

Mai 10, 2021 Jane Alice Liu Von Jane Alice Liu Meine Artikel