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Plastikalternativen: Herausforderungen für Start-Ups
Apr 12, 2019 Claudia Parms Von Claudia Parms Meine Artikel

Plastikalternativen: Herausforderungen für Start-Ups

Das Europäische Parlament hat im Jahr 2019 offiziell angekündigt, dass Einwegkunststoffe ab Juli 2021 verboten werden.

Als Start-Up-Unternehmen mit Smoothies haben wir uns sehr erfreut, so viele Hinweise unserer Kunden erhalten zu haben: Sie schlugen vor, dass wir "etwas mit unseren Plastikbechern und Trinkhalmen machen sollten", denn "dann wäre unsere gesunde Lösung wirklich perfekt".

Was sie jedoch nicht wissen: Es ist nicht so einfach, ökologische Alternativen zu Plastik zu finden, die alle Wünsche erfüllen. Hier ist die Geschichte unserer Reise auf der Suche nach alternativen Bechern und Strohhalmen, einschließlich der Herausforderung, nur ökologisch vertretbare Lösungen zu finden!

Kunststoffalternativen  und “Alberts Smoothie Station”

Um euch den Zusammenhang zu verdeutlichen: “Alberts” ist ein belgisches Start-Up-Unternehmen, das 2015 von zwei jungen Männern mit der Mission gegründet wurde, den Menschen jederzeit und überall mehr Obst und Gemüse anzubieten. Durch die Kombination von Robotik und KI haben wir den weltweit ersten Smoothie-Roboter entwickelt, der vor Ort frische Smoothies nur mit Obst, Gemüse und Wasser zubereitet - sonst nichts.

Ich kam 2017 als Marketing Manager zum Team. Es ist meine Aufgabe, auf das Feedback der Verbraucher zu hören. So begeistert die Menschen von dem Smoothie-Roboter sind, so sehr haben uns unsere Kunden auch gebeten, auf eine ökologische Verpackung umzusteigen. Der Wunsch wurde gehört.

Unsere Suche nach Ökobechern

Anfangs haben unsere Smoothie-Stationen PET-Becher verwendet, die recycelt werden können. Wenn sie in den richtigen Mülleimer geworfen werden, können sie zur Wiederverwendung zu neuen recycelten Bechern verarbeitet werden.

Die Wahrheit ist jedoch, dass 70% des PET-Kunststoffs nie in den Recyclingprozess gelangen.1 Wie kann das sein? Der Kunststoff muss richtig sortiert und gereinigt werden, weil nur eine winzige Verunreinigung ausreicht, um die gesamte PET-Charge unbrauchbar zu machen.

Wir sind daher ständig auf der Suche nach umweltverträglichen Alternativen.

Alternative Nr.1: Wir testen PLA-Kunststoffbecher!

Der erste Kandidat für “Alberts” waren biologisch abbaubare PLA-Becher. PLA-Kunststoff, oder Polymilchsäure, ist ein biobasierter Kunststoff. Er wird aus erneuerbaren Rohstoffen wie z.B. Harz auf Maisbasis hergestellt.

Das Problem mit PLA-Bechern ist allerdings, dass sie ziemlich zerbrechlich sind und sich leicht verformen, wenn man heißes Wasser (60°C oder mehr) hineingießt. Wir bei “Alberts” haben uns für die Arbeit mit der sogenannten Blend-in-Cup-Technologie entschieden, um Wasser- und Lebensmittelabfälle zu reduzieren und die Nährstofferhaltung zu erhöhen. Wenn wir also unsere Smoothies - und auch Suppen - zubereiten, kommen zunächst alle gefrorenen Zutaten in den Becher und anschließend wird heißes, gefiltertes Wasser hinzugefügt. Das ergibt eine einfache Mischung und gleichzeitig erreichen wir die gewünschten Temperaturen.

Das Ergebnis? Der PLA-Pokal begann zu bröckeln, was eine ziemliche Sauerei verursachte, wie ihr euch sicher vorstellen könnt! Auch der Deckel, den wir nach dem Mischen auf unsere Becher legen, übt zu viel Druck auf die zerbrechlichen PLA-Becher aus, wodurch diese ebenfalls in sich zusammenfielen.

Alternative Nr.2: Wäre der Wechsel von Plastik zu Papier eine bessere Alternative?

Unsere Experimente umfassten auch Pappbecher. Allerdings gibt es noch einige Schwierigkeiten, wenn wir diesen Weg gehen wollen. Genauer gesagt, bei diesen Bechern haben wir folgendes bemerkt:

  1. Der Deckel schließt zu dicht, wodurch der Becher verformt wird.
  2. Der Boden wird undicht und/oder
  3. die Beschichtung im Inneren des Bechers löst sich ab.

Und natürlich sieht es nicht so schön aus, wenn man die farbenfrohen Suppen oder Smoothies im Becher nicht sehen kann!

Alternative Nr.3: Wir entscheiden uns für Tassen aus Bagasse!

Als bisher beste Lösung entpuppte sich der Bagasse-Becher. Diese Becher werden aus Zuckerrohr hergestellt – das bringt ein paar echt vorteilhafte  Eigenschaften mit sich:

  • stark genug, um dem Druck durch den Deckel standzuhalten,
  • heißwasserbeständig,
  • vollständig bio,
  • kompostierbar

Da wir auch an einem Suppenautomaten arbeiten (eine heiße Alternative für unseren Smoothie-Automaten), führen wir derzeit auch Experimente mit Bagasse (Abfälle der Zuckerrohrproduktion) und Papierbechern durch. Dabei haben wir festgestellt, dass diese Becher aus Zuckerrohr auch tatsächlich heißwasserbeständig sind und sich daher hervorragend eignen! Wir untersuchen aber natürlich weiterhin neue Produkte – zum Beispiel die Herstellung von Bechern aus Gras.

Die Tatsache, dass das Material der Bagasse-Becher nicht ursprünglich von Bäumen stammt, sondern aus Zuckerrohrabfällen hergestellt werden, ist ein wichtiger Aspekt bei der Umstellung von Plastik auf Öko. Und da die Beschichtung im Inneren des Bechers aus PLA besteht, sind die Becher offiziell kompostierbar. Die Herausforderung für die Zukunft besteht jedoch darin, ein Sammelsystem einzurichten, das eine effiziente industrielle Kompostierung ermöglicht.

Aber was ist mit wiederverwendbaren Bechern?

Das ist eine Frage, die uns oft gestellt wird – verständlich!

Wiederverwendbare Becher sind nur dann sinnvoll, wenn unsere Kunden diese auch jedes Mal dabei hätten, denn sie müssen in unsere Automaten passen – andere Becher kommen also leider kaum in Frage. Wenn wir natürlich wiederverwendbare Becher der Marke “Alberts” für den Verkauf zusammen mit unseren Smoothies entwickeln würden, wäre das schon leichter zu erreichen - auch, wenn es eine ziemlich hohe Investition wäre (insbesondere für unsere Kunden).

Aber es müssen noch andere Herausforderungen berücksichtigt werden, insbesondere die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit. Wir müssen in der Lage sein, sicherzustellen, dass die Becher jederzeit perfekt gereinigt sind. Das ist ein Problem, das man bei den Einwegbechern aus PET natürlich nicht hat. Wenn wir uns jedoch darauf verlassen könnten, dass der Kunde seinen mitgebrachten Becher professionell reinigt, so dass wir jederzeit die Lebensmittelsicherheit garantieren können, dann könnten Mehrwegbecher in naher Zukunft definitiv eine Möglichkeit sein!

Alternativen für Strohhalme: Essbare Strohhalme aus Äpfeln

Ursprünglich verwendeten unsere Smoothie-Stationen handelsübliche Plastikstrohhalme, da die verfügbaren Öko-Strohhalme nicht dem Standard entsprachen, den wir unseren Verbrauchern anbieten wollten - zumal Bambus- und Papierstrohhalme keine sehr lange Haltbarkeit in Flüssigkeiten vorweisen. Eine andere Idee, Strohhalme aus Metall für jedermann anzubieten, hätte eine sehr kostenintensive Umstellung bedeutet.

BambusstrohhalmePapierstrohhalmeStrohhalme aus Metall
Geringe HaltbarkeitGeringe HaltbarkeitLange Haltbarkeit
BezahlbarBezahlbarNicht bezahlbar

Dann lernten wir “Wisefood” kennen, ein Start-Up, das für das Restmaterial aus der Apfelsaftproduktion – normalerweise Abfall (!) - eine neue Verwendung finden möchte. Dabei entdeckte das Unternehmen, dass sie das Fruchtfleisch der Äpfel in essbare Strohhalme verwandeln können!

Der Superstrohhalm, wie sie ihn nennen, hält seine Form in kalten Getränken über 60 Minuten, in Cocktails sogar bis zu zwei Stunden. In Kaffee oder Tee behält der essbare Trinkhalm etwa 20-30 Minuten seine Stabilität . Durch die Verwendung von Weizen- und Fruchtfasern gelang es Wisefood, eine Alternative zu finden, die in nur ca. zwei Wochen vollständig biologisch abbaubar ist. Oder man isst den Strohhalm einfach, wenn das Getränk ausgetrunken ist. Der Superstrohhalm wird mit Zutaten aus Deutschland wie Apfeltrester und Getreide hergestellt. Auf diese Weise kann die Organisation unnötig lange Transportwege einsparen und gleichzeitig die Umwelt schützen.

Wie geht es also mit “Alberts” weiter?

Die Umstellung auf ökologische Alternativen für Einwegkunststoffe ist also  leichter gesagt als getan. Nichtsdestotrotz möchte unser Team in “Alberts”, dass die Menschen gesunde Lebensmittel wählen und dabei die Umwelt respektieren. Nach der Einführung der essbaren Superstrohhalme haben wir 2019 auch unsere Becher auf eine ökologischere Alternative zu PET umgestellt. Für die nahe Zukunft planen wir, dann auch wiederverwendbare Becher auf den Markt zu bringen.

Apr 12, 2019 Claudia Parms Von Claudia Parms Meine Artikel
 

Hinweise

  1. Do Plastic Water Bottles REALLY get Recycled? Pathwater. Accessed 11 September 2019.