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Gesunde Böden erschaffen I Könnten Apps die Antwort sein ?
Die Erde zuerst

Gesunde Böden erschaffen I Könnten Apps die Antwort sein ?

Böden gehören zu unseren wertvollsten Ressourcen. In der Landwirtschaft bestimmt die Bodenqualität nicht nur maßgeblich, was wo wächst, sondern auch wie hoch die Erträge sind. Immer mehr Böden leiden, und neue Lösungen müssen gefunden werden, um die Bodenqualität zu erhalten und zu verbessern. Moderne Technologien, wie die Bodenqualitäts-App SQAPP, unterstützten Landwirt:innen dabei.

Fruchtbare Böden und hohe Erträge


Gesunde Böden sind wertvoll und die Basis unseres Lebens. Sie sind Grundlage für die Lebensmittel- und Biomasseproduktion, filtern Schadstoffe, sind wichtig für den Wasserschutz, speichern große Mengen CO2 und beherbergen schätzungsweise 25% der weltweiten Artenvielfalt. 1,2,3 Unter der Fläche einer Schuhsohle gibt es mehr Bodenleben als Menschen auf der Erde.4

In der Landwirtschaft beeinflusst die Bodenqualität maßgeblich, was wo wächst und wie ertragreich die Ernte ist.1,4 Lehmige Böden sind besonders fruchtbar. Sie bestehen zu etwa gleichen Teilen aus Sand, Schluff und Ton und können Nährstoffe und Wasser besonders gut speichern.4

In Deutschland nutzen wir rund die Hälfte unserer Landfläche für die landwirtschaftliche Produktion. Weltweit sind es ca. 38%.1
In Mitteleuropa sind die Böden besonders fruchtbar, und die deutschen Böden zählen zu den ertragreichsten Böden der Welt.4 Im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt sind die Erträge in Deutschland teilweise doppelt so hoch.4 Während der durchschnittliche globale Ertrag von Getreide bei ca. 4 t/ha liegt, sind es in Deutschland bis zu 8 t/ha.4

Doch obwohl gesunde Böden wichtig für die Ernährungssicherheit sind und es ohne Böden weder Pflanzen, noch Tiere und somit auch keine Menschen gäbe, schenken wir ihnen oft nur wenig Beachtung.4

„Vordringende Wüsten zerstören landwirtschaftliche Nutzfläche in Zhangye City, China. Einwohner pressen Weizenstroh in Sandbarrieren, um die Ausbreitung der Wüste aufzuhalten. (Costfoto/Future Publishing via Getty Images)“

Landwirtschaft: Opfer und Täter


Auf der ganzen Welt leiden Böden unter der intensiven Landwirtschaft. Der Klimawandel, die Abholzung von Wäldern und die Industrialisierung stellen eine zusätzliche Belastung dar.5 Die ständige landwirtschaftliche Bearbeitung zerstört die Bodenstruktur. Wichtige Bakterien, Pilze und andere Bodenlebewesen sterben ab. Hinzu kommen starke Niederschläge und Wind, die zur Erosion fruchtbarer Bodenschichten führen.5 Fruchtbares Land wird zur Wüste.

Wir stellen uns Böden häufig als endlose, oder wenigstens erneuerbare Ressource vor. Dabei entstehen tiefe fruchtbare Böden sehr langsam über einen Zeitraum von mehreren 1000 Jahren. Es dauert zwischen 100 und 300 Jahre, bis aus dem Zusammenspiel physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse ein Zentimeter fruchtbarer Boden entsteht. Böden sind also nur sehr begrenzt erneuerbar und der Verlust fruchtbarer Böden lässt sich nicht so einfach umkehren.1,5

Doch obwohl Böden so wertvoll sind, nehmen wir sie meist als Selbstverständlichkeit hin, ohne uns darüber im Klaren zu sein, dass sich viele Böden sich in einem enorm schlechten Zustand befinden. Die Bodenqualität ist in vielen Gegenden der Welt so schlecht, dass sie sich bereits negativ auf den Anbau von Nutzpflanzen auswirkt und damit die Ernährungssicherheit bedroht.5

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass bereits ein Drittel unserer Böden weltweit in einem schlechten Zustand sind.3 Bis zum Jahr 2050 könnte Bodenerosion zu einem Verlust von bis zu 10% der Ernteerträge führen.3

Die Landwirtschaft nimmt hier eine besondere Rolle ein. Denn sie ist zugleich Täter und Opfer. Sie trägt einerseits maßgeblich zum Verlust fruchtbarer Böden und zum Klimawandel bei, andererseits leidet sie besonders stark unter den Auswirkungen. Gleichzeitig trägt die Landwirtschaft eine große Verantwortung und birgt ein enormes Potenzial, denn verbesserte Anbau- und Landnutzungsmethoden können einen Großteil zum Erhalt
fruchtbarer Böden beitragen.

Böden schützen


Schätzungen der FAO zufolge wird die Weltbevölkerung in den nächsten 30 Jahren auf rund 9,7 Milliarden Menschen anwachsen.6 Um die Ernährungssicherheit in Zukunft zu gewährleisten, brauchen wir eine produktive und gleichzeitig ressourcen- und umweltschonende Landwirtschaft mit gesunden Böden.

Durch gezielte Maßnahmen kann die Bodenqualität erhalten und verbessert werden. Welche Maßnahmen wo besonders effektiv sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Lokale Bodeneigenschaften, Klima und Anbaumethoden spielen dabei eine wichtige Rolle. Nicht immer verfügen Landwirt:innen jedoch über das nötige Wissen, Risiken zu erkennen und Chancen zu nutzen.

Moderne Technologien wie Apps können dabei helfen, Wissen zu verbreiten und einfacher zugänglich zu machen. Zahlreiche Apps sind in der Landwirtschaft bereits im Einsatz und es kommen stets neue hinzu. Sie sorgen für verbessertes Management, höhere Erträge und mehr Nachhaltigkeit. SQAPP ist eine dieser Apps.

SQAPP

SQAPP ist eine Bodenqualitäts-App. Sie ist im Rahmen des iSQAPER-Projekts entstanden, einem Projekt zur Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaftsmethoden. Die App sei aus dem Wunsch heraus entstanden, nicht nur Daten für die Wissenschaft zu sammeln, sondern auch etwas zurückzugeben und einen Mehrwert für alle Betroffenen zu schaffen, blickt Dr. Ir. Luuk Fleskens zurück. Fleskens ist Associate Professor an der niederländischen Universität Wageningen und war wissenschaftlicher Leiter des iSQAPER-Projekts.

Die App kann überall auf der Welt genutzt werden und liefert ortsspezifische Informationen zur Bodenqualität und zu nachhaltigen Landnutzungsmethoden.7 Über die App werden die im Rahmen des iSQAPER Projekts gesammelten Daten mit den Nutzern geteilt, und so einer breiten Masse zugänglich gemacht.

Die App ist eine Art globale Datenbank mit Informationen zu lokalen Bodeneigenschaften. Sie nutzt Daten und Informationen aus ansonsten fragmentierten globalen Datensätzen und Informationsquellen.7

„Für die App haben wir nicht nur nach der Bodenfruchtbarkeit, sondern auch danach geschaut, ob es sich innerhalb einer bestimmten Klimazone um eine durchschnittliche Bodenfruchtbarkeit, oder um eine eher niedrige oder hohe Fruchtbarkeit handelt. Das sind wirklich neue Daten“, sagt Luuk Fleskens.

So können die Nutzer:innen der App die Ergebnisse besser einordnen. Zusätzlich schlägt die App konkrete Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit vor. Solche Maßnahmen betreffen zum Beispiel Bodenbearbeitung, Pflanzenwahl, Wassermanagement und Schädlingsmanagement. Mehr als 80 Maßnahmen und rund 300 Beispiele werden in der App vorgestellt.

“Das Schöne an der App ist, dass sie eigentlich sofort für jeden Ort, den man anklickt […..] Ergebnisse liefert”, sagt Luuk Fleskens.

Dafür sind vergleichsweise wenig Inputdaten nötig, was den Einsatz der App sehr einfach macht.7 Die Qualität der Datensätze variiert teilweise jedoch stark. Für manche Regionen sind sehr gute und genaue Datensätze vorhanden, für andere hingegen sind die Daten ungenau und manchmal sogar falsch. Um die App zu verbessern, ist es daher wichtig, weiterhin Daten zu sammeln und Datensätze zu aktualisieren.

Eine Besonderheit der App ist die Möglichkeit, globale Daten durch eigene Daten zu ersetzen. Verfügen Nutzer selbst über genauere Daten, zum Beispiel bezüglich lokaler Boden- und Klimaeigenschaften, können sie ihre eigenen Daten gebrauchen und so die Ergebnisse der App verbessern.
Auf lange Sicht könnte so sogar eine Art Citizen Science Projekt entstehen, bei dem die Datensätze durch den Einsatz von Nutzerdaten kontinuierlich verbessert werden, blickt Fleskens.

Apps in der Landwirtschaft


SQAPP wird bereits auf der ganzen Welt genutzt. In den kommenden Jahren soll die App weiterentwickelt und noch besser an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Wie groß der tatsächliche Einfluss auf die Landwirtschaft ist und inwiefern die App wirklich zu einer verbesserten Bodenfruchtbarkeit und mehr Nachhaltigkeit beiträgt, ist jedoch schwer abzuschätzen.

Mit dem zunehmenden Gebrauch von Smartphones können solche moderne Technologien aber dabei helfen, Wissen zugänglicher zu machen, und so nachhaltige Trends in der Landwirtschaft vorantreiben.

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